Mittwoch, 8. April 2015

mmm. frühlingserwachen

der frühling kam und schaute sich verwundert um.
das ist aber noch nicht alles, flüsterte ich leise. ich konnte seinen gesichtsausdruck nicht entziffern, waren diese hochgezogenen augenbraunen ein zeichen der leisen bewunderung, oder sollte ich mich eher schämen?
und ja, alle einzelnen modelle sind zusätzlich noch in meinem kopf gespeichert, du weisst schon frühling, das erleichtert enorm die suche!
ach ja? dann zeig mir den super raglan. einen, der locker sitzt, nicht aus zwei teilen besteht, ohne schulterabnäher, einen coolen, lässigen, unkomplizierten, einen weltbürger raglan!
ähmm...den haben wir nicht.
nirgendwo.
er wurde sauer. was?! du weisst nicht mal, wann die grauen mülltonen abgeholt werden, dafür hast du alle burda ausgaben aus den letzten fünf jahrzehnten im kopf archiviert?! ich gehe. zu ostern gibt es in solingen schnee als strafe. ob ich wieder komme, hängt nur von dir ab!


ich weinte bitterlich die ganze nacht und konnte mich wirklich nicht erinnern, wann der müllabfuhr kommt.
aber irgendwie hatte der frühling recht. wäre es nicht viel einfacher, wenn man ein grundschnitt hätte, den man nach lust und laune verändern könnte? einen, den man nach eigenen maßen erstellt? sind nicht alle kleidungsstücke eine abwandlung von diesem grundschnitt?
grundschnitt habenwollen!

ich fing also mit dem von den frühling gewünschten raglan an. der schnitt basiert auf dem schnittmuster für eine kimonobluse aus einem alten schnittkonstruktionbuch nach einer prozentualen methode.
alles was man in dem fall braucht ist eigene körpergröße und der oberbrustumfang. wo genau der oberbrustumfang gemessen wird, zeigt die erste dame von links.


gezeichnet habe ich auf dem packpapier, es ging auf jeden fall schneller, als schnittmuster suchen und abpausen. hier nochmal als pdf zum mitnehmen :)


alle werte, die ich als "optional" markiert habe, sind frei wählbar. die halsauschnitttiefe hinten bei normalen blusen fängt ab 3cm an, vorne ab 7cm. je weiter, nach innen, der punkt nr 13 verschoben wird, desto breiter wird das dekollete.


meine stoffe: ein alter xxl pullover und ein polyamid halstuch, fast versace, glücklicherweise alles in dem gleichen blau.


so konnte ich die bündchen nutzen.  das halstuch war unmöglich zum verarbeiten, es war so stark elektrisch geladen (der pullover ist ebenso ein herrlicher plastik gemisch), es funkte richtig zwischen den beiden!



das ist mein persönlicher frühlingserwachen. ich erwache öfters in meinem chaos aus schnittmuster und stoffen. und das schlimme ist, das was ich gerade suche, ist nie dabei.
also: erwache und lache :)))

verlinkt bei ME MADE MITTWOCH

Kommentare:

  1. Na, wer kennt das nicht?? Das hast du einfach schön beschrieben. Stoff-, Material- und Schnittmusterberge bringen mich manchmal an den Rande des Wahnsinns. Schön öfters habe ich mit einem Radikalschlag gedroht - mich dann aber doch nicht dazu durchringen können. Deine Anleitung für das Raglanshirt merke ich mir gleich mal :) Das Shirt ist klasse geworden - wozu dann Schnittmusterchaos wieder gut sein kann...
    Liebe Grüße
    Elsa

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    1. Es gibt Tage, wo mich diese Berge von Zeitschriften und Bücher richtig erdrücken :) Ich sitze, gucke ich mir alles 7 mal an und kann mich nicht entscheiden! :)))
      Liebe Grüße und vielen, lieben Dank für deinen Kommentar!

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  2. Als alte Patchworkerin finde ich ja die Kobimation aus "altem" Halstuch und REststoff megagenial!!!!
    Dank auch für die logisch erklärte und superexakte Anleitung zur Herstellung eines personensspezifischen Raglanpullis!!! WIEDER was dazu gelernt:)
    Liebe Grüße von Angela

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    1. Och, Angela, ich könnte jede Menge von dir lernen, wenn ich mir deine komplizierten Patchworkdecken anschaue, dann gibt es nur ein Wort dafür: Respekt!!!

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  3. Danke für die Anleitung und den schönen Post! Ohhhhh, ich habe mich sowas von wieder gefunden :-)
    LG Birgit

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    1. :))) Wahrscheinlich geht uns allen genauso! :)))

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  4. Genial genial genial. Und der Ärmel hat dann oben keine Naht?. Den Schnitt werde ich wohl nachmachen müssen. Vielen lieben Dank für Deine Mühe. Herzliche Grüße von Agathe

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    1. Vielen, lieben Dank Agathe! Der Ärmel hat oben keine Naht, den muss man auf dem Papier oder direkt auf dem Stoff spiegeln und noch nachträglich den vorderen Halsauschnitt abzeichnen.

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  5. Wo habe ich bloß mein Packpapier abgelegt?
    Genialer Pulli, der Funken springt auch auf die amüsierten Fach-Betrachter über.
    LG
    Wiebke

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  6. Danke für die Raglan-Anleitung. Die werde ich sicher mal ausprobieren.

    Ich drücke die Daumen, dass das hübsche Shirt tragbar ist und nicht zu sehr funkt oder klebt. Ich liebe solche Re- oder Upcyclingprojekte.
    Gruß, Petra

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    1. Danke, liebe Petra! Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ich zufälligerweise in der Nachbarstadt den Raglan und die Besitzerin auf der Strasse treffe :)))

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  7. Die Schnittkonstruktion mit den prozentualen Werten kannte ich noch gar nicht! Im Ergebnis mit dem upgecycelten Materialien ein tolles Ergebnis! Vielen Dank fürs Zeigen und viele Grüße von Mrs Go

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    1. Das Buch ist fast 50 Jahre alt, Freunde von komplizierten Formel der Schnittherstellung würden sicherlich die Augen verdrehen, aber ich hab es mehrmals ausprobiert, es funktioniert!

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  8. Was für eine tolle Idee, vielen Dank dafür und wenn es sogar noch schneller geht, als die alten Hefte durchzublättern.... Dein neues Shirt ist auf jeden Fall ganz wunderschön geworden!
    LG Rita

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  9. Oh das ist so schön! Ich liebe blau und dann noch in der Kombi mit dem tuchdruck super schön. Schade das es so ein syntetischer Stoff ist. Ich habe leider Probleme mit manchen. Vertägt meine haut nicht. Aber ist schön anzusehen! LG Anita

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  10. Sehr amüsanter Post und ein superschönes Shirt.
    Ich wühle mich auch oft endlos durch meine Schnittzeitschriften auf der Suche nach einer Vorstellung, die als Schnitt nicht existiert.
    Vielen Dank für deine Vorlage.
    LG von Susanne

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